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Jetzt ist alles vorbei!

Über zwei Wochen nach meiner Rückkehr wird es Zeit für ein kleines Fazit einer großen Reise.

Ich war 61 Tage lang weg, bin tausende Kilometer geflogen, hab das Land kreutz und quer bereist. Ich war in Accra, Tamale, Kumasi, Swedru, Cape-Coast, Elmina, Kasoa, Wa, Vechiau, Savelugu, Damango, Larabanga und Mole.

Ich hatte vier Lebensmittelvergiftungen, eine Phlebitis, einen Staphylococcus aureus (nicht verheilende Wunden) und eine Malaria.

Als ich zurückkam war gar nicht alles so ungewohnt geworden, wie ich gedacht hätte. Irgendwie ist mir bewusst, dass das eine eben Ghana war, die Hitze, der Staub, die Offenherzigkeit, die fehlende Berührungsangst unter Fremden, das niemals-alleine-sein, der Lärm und die Musik, das lockere Leben, und das hier eben Deutschland: Stille, das fremden-Menschen-nicht-in-die-Augen-sehn, die Pünktlichkeit, die Disziplin, die Uhren und die Spiegel, die Kälte, die Sauberkeit. Zwei Welten - nein, eigentlich habe ich nichts anderes erwartet. Ein paar Dinge warn da doch: Die Sauberkeit - in jeder Stunde wird mir wieder bewusst wie trocken und sauber sich meine Haut anfühlt. Dann fühle ich mich plötzlich richtig wohl in ihr. Ich genieße die Sauberkeit. Ich dusche so oft ich kann, wechsle öfter die Kleider als vorher, verbringe Stunden mit eincremen.

Es tut mir immer noch weh, das Wasser aus dem Hahn laufen zu sehn. Ich versuche meinem Gewissen zu liebe so sparsam wie möglich zu sein. Aber ohne Stöpsel für das Waschbecken ist das manchmal schwer, ich muss mir unbedingt so ein Teil zulegen. Und dieses Wasser kann man TRINKEN! Die nach Chlor, Plastik oder Erde schmeckenden Trinktüten vermisse ich wirklich überhaupt nicht...

Und dann die Stille. Mir war nie so bewusst wie still es hier manchmal ist. Ich bin zu Hause durch das Dorf gelaufen und da war NIEMAND auf der Straße, das gibt es zu Ghana zu fast keiner Tageszeit. Da stehen diese großen steinernen Häuser am Straßenrand, so verschlossen. Keine offenen Läden in jedem Haus, vor denen die Leute sitzen, dösen oder sich unterhalten. Irgendwie fand ich in dem Moment alles fürchterlich leblos hier.

Ich vermisse die frischen Kokosnüsse, Bananen und Ananas mag ich gar nicht mehr essen. Mir ist nie aufgefallen wie geschmacklos die hier sind.

Unendlich oft höre ich die Frage, die ich schon VOR meiner Rückkehr gefürchtet hatte: "Wie wars in Ghana?" oder "Erzähl!" Was soll ich da sagen? Wie können die Leute auf so eine Frage von mir einen wertvollen Beitrag zu einem Small-Talk erwarten??? Das waren so viele Eindrücke, so viele Erlebnisse, wo soll ich da anfangen? Wie soll ich das in drei Sätze packen??? Wenn ich dann antworte "Es war heiß und ganz anders als hier.", scheinen die Leute irgendwie enttäuscht. :-D

Ich habe auch gelernt geduldig zu sein und ich hoffe dass ich das nicht allzu schnell vergesse. Auf der einen Seite lernt man es zu warten - stundenlang. Außerdem lernt man Geduld mit den MENSCHEN zu haben. Die Ghanaer können sehr aufdringlich sein und auch sehr unverschämt, dabei meinen sie es meistens nicht mal böse. Und es läuft oft nicht alles so wie man es sich wünscht, z.B. wenn der Bus nach Hause tagelang einfach nicht kommt. Da muss man dann auch einfach mal cool bleiben, nicht aufregen, das steigert nur den Blutdruck und das Herzinfarktrisiko. Und daran würde man dort innerhalb kurzer Zeit sterben, wenn man das nicht lernt. Außerdem ist die Lockerheit mit der die Menschen in Ghana das Leben nehmen ansteckend - für so eine kleine Cholerikerin wie mich eine wichtige Lektion...

Ich habe dort Freunde gefunden, die ich nie vergessen werde. Und wer weiß, vielleicht sehn wir uns eines Tages wieder...

Ich freue mich jedenfalls wieder hier zu sein. Ende Februar werden meine Fotos hoffentlich auch nachkommen. ^^ Dann stehn sie euch allen selbstverständlich zur verfügung.

Vielen Dank für eure Unterstützung, euren Beistand und euer Interesse während dieser Zeit!

Eure Evelyne

2 Kommentare 5.2.09 23:32, kommentieren

Scheiden tut weh!

Ja, jetzt ist es soweit. Morgen ist mein letzter Tag im Heim. Deshalb muss ich heute in Kasoa, noch allerlei Dinge erledigen. Abschiedsgeschenke kaufen, organisieren, nochmal Freunde im Norden anrufen, Fotos machen undundund. Es ist so hart zu gehen, weil ich weiss, dass ich die Kinder nie wieder sehen werde. Und wie ich schon erzaehlt hab wuerd ich sie so gern mitnehmen!

Seit Mo unterrichte ich die dritte Klasse, Grundschule. Eigentlich sollten wir ja alle nur assistieren, aber bei dieser Klasse ist diese Woche der Lehrer krank und ich bin die einzige, die sowas ueberhaupt schon mal gemacht hat. Ich habe etwas Kopfrechnen gemacht mit ihnen und dann habe ich versucht  ihnen halbe, viertel und achtel zu erklaeren, weil sie das am fr zuletzt gemacht haben. Ich glaube allerdings nicht , dass sie es verstanden haben. Am 2. Tag waren sie zwar dann endlich aufmerksam, weil ich ein Messer und 2 Orangen mitgebracht habe um es zu demonstrieren, allerdings auch nur, weil sie wussten, dass sie die Orangen erst essen duerfen, wenn wir fertig sind. Und dass ich jedes Kind dazu gebracht habe eine Aufgabe richtig zu loesen, war bei den meisten wohl eher Zufall, bei den vielen Versuchen, die sie dazu gebraucht haben. Zu allem Ueberfluss hat Grace dann noch meine Kreide aufgegessen, waehrend ich erklaert habe, so dass ich erst mal ewig nach Kreide suchen musste.

Dann musste ich den Direktor darauf aufmerksam machen, dass da ein Junge in meiner Klasse sitzt, der rein GAR KEIN Englisch spricht. Der wurde daraufhin gleich in die 2. Klasse gesetzt. So einfach geht das hier!

Dann haben wir noch Englisch unterricht gemacht und in Science haben wir Uhren gebastelt. Mehr3 Stunden halte ich das leider nicht aus. Obwohl es nur 10 Schueler sind ist es SO anstrengend. Die einen schlafen den ganzen Tag, und schauen einfach NIE an die Tafel, die andern zanken staendig, vereinbarte Regeln werden grundsaetzlich nicht eingehalten, und manche reagieren nicht mal wenn ich ihren Namen 5 mal rufe. Uff! So langsam hab ich einen Heidenrespekt vor Lehrern. Auch wenn diese Kinder hier sicherlich worst case sind.

Achja ausserde hab ich heut zum ersten mal ein Kind auf dem Ruecken herumgetragen. Ich hatte es auf dem Arm, als es angefangen hat zu weinen, da meinten die Frauen, dass es muede sei und das heisst hier eben. dass eine Frau es auf den Ruecken nimmt, wo es dann schlaeft. Es ist nicht so unbeuem, wie ich gedacht haette, aber man kann halt nie nach dem Baby sehn.

Morgen Abend werd ich mich dann nach dem Essen auf nach Accra machen. Dort lad ich meine Sachen bei der |Heilsaree ab, so ich uebernachten werde und geh ins Fitnessstudio. Es ist uebrigens kaum zu glauben, dass so etwas hier existiert. Es war total edel, und konnte absolut mit deutschen einrichtugnen mithalten. Ich habe einen Kurs besucht und der Trainer war nach europaeischem massstab ausgebildet, nur mit afrikanischem Enthusiasmus (uuuuuuuh! You guys are machiiiiienes!) Und ich kann 7 mal kostenlos hin. Am Eingang gabs Aepfel zum mitnehmen! Die kosten hier sonst ueber 30 ct das Stueck! Unglaublich. Es waren auch fast nur weisse da.

Naja und am Fr gehe ich dann gleich nochnmal hin, dann ins Syto/Office um mich zu verabschieden, dann fahre ich auf den Makola/Markt und den Culture/market und kaufe nochmal ordentlich ein und bete, dass sie mir das Gepaeck am flughafen durchgehn lassen und dann verschwinde ich fuer 2 Stunden im Bad um mich wieder gesllschaftsfaehig zu amchen, bereit fuer die zivilisation! Um 5 fahre ich zum Flughafen wo um 20 nach 8 mein Flug geht. Und dann sehn wir uns wieder!

Ich freu mich auf euch.

Liebe Gruesse

Evelyne 

14.1.09 15:15, kommentieren

Das Kinderheim

Also auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole moechte ich hier mal einiges aus dem Alltag hier in Ofakor schildern.

Morgens um 5 Uhr werden wir von den Betgesaengen der Kinder geweckt, da unser Zimmer mitten auf dem Gelaende liegt. aufstehn, gesicht putzen zaehne waschen und los gehts. Die Kinder muessen gebadet werden. Dazu wird ausserst schmutziges Wasser in eimern in die Duschkabienen gestellt. Es gibt 4 waschgruppen, die von den aelteren Maedchen organisiert werden. Jeder Gruppe ist eine Voluntaerin zugeordnet. Meine Aufgabe ist es, die Kinder zu schrubben. Denn die Heimleiterin hat am ersten Tag mein ausserordentliches Talent fuer diese arbeit festgestellt. Jemand anderes trocjknet sie dann ab, jemand cremt sie ein und ein anderer kleidet sie an. Dann muessen wir den Abwasch vom Vorabend machen, ebenfalls in grandios dreckigem Wasser. Dann ist gerade dass essen fertig und muss serviert werden. Zum fruehstueck sind das Abwechselnd milchsuppe und Wasser mit Kabapulver. Dann bekommen wird selbst Breakfast. Entweder Reisssuppe oder 2 scheiben von dem weichen weissbrot, dazu Kaba, dass wir allerdings noch mit Dosenmilch mischen und Obst. Dann ist Schule. Ich habe heute die dritte klasse Grundschule unterrichtet in Mathe und Englisch (ich hoffe ich habe nicht allzuviel Schaden angerichtet, gell Herr Lienhard ;-) ). Dann habe ich gestreikt, weil der eigentliche Lehrer da war, aber die ganze Zeit meinte er habe so Kopfweh. Um 10 Uhr kriegen wir Mittag, die Kids um 12. Vorher muss wieder abgewaschen werden. die Kinder kriegen fast immer riceballs mit Granasoup oder Yokogary (Bohnengericht). wir ab und zu auch, aber oft gibt es fuer uns auch Kochbananen oder Yam mit leckerem Tomaten- oder Gemuesestew oder Spaghetti. Dann geht die Schule weiter bis um 14 Uhr. danach ist erst mal Pause. Da lese ich dann oft, fahr nach Kasoa um euch zu schreiben oder heute z.B. nach Accra ins Fitnessstudio. Bin ja mal gespannt. Um 16 Uhr gibts dann Abendessen. Wieder eins der genannten Gerichte. Und um 18 uhr fuer die Kinder. vor dem abendessen muss nicht gespuelt ewerden. das geschirr wird einfach so verwendet. vorher muessen die kinder wieder gewaschen werden. selbe prozedur. es gibt immer wieder kinder die sich druecken, die werden dann verprueglt. wir muessen tatenlos zusehn.

Dann gibts Culture - es  wird getrommelt und die Kinder tanzen dazu. Ich finde es immer wieder erstaunlich, was fuer ein Koerpergefuehl die Kinder hier haben. Es sieht so toll aus wie die tanzen, und so einfach, aber wenn mans selbst versucht fuehlt man sich wie ein Elefant auf Drogen. Selbst wenn es manchmal Hip Hop zu hoeren gibt bewegen die sich so genial! Besser als die meisten Erwachsenen, die ich kenne. Wirklich unglaublich. Erst wird in der Gruppe getanzt, und dann gibt es Solopassagen. Mit einer bestimmten bewegung zeigt der taenzer den trommlern, dass er einen rhythmuswechsel wuenscht. Und ich spreche hier von z.T. 6 bis 8-jaehrigen Kindern!

Wenn es dunkel ist, wird wieder gebetet, dann gehn die kleinsten ins Bett, die andernbekommen evtl noch eine 4te mahlzeit nd duerfen spielen, bis sie muede sind.

Um 9 oder 10 geh ich dann meist ins Bett, werd ja um 5 wieder geweckt!

Gestern ist ein neues Kind gekommen, etwa 10. die mutter war von zu Hause abgehauen, weil der vater sie geschlagen hatte. er schlug auch den jungen und gab ihm nichts zu essen., deshalb rannte er weg, weil er hungrig war. nach 3 monaten wusste er ueberhaupt nicht mehr wo er war und die polizei brachte ihn schliesslich hier her. er hat viele narben im gesicht.

sorry heute nbin ich etwas in eile

hab euch lieb

evelyne

1 Kommentar 12.1.09 19:32, kommentieren

Da bin ich wieder!!!

Ok! Problem geloest. Ich hab ein besseres Cafe gefunden, das ist noch schneller als das in Tamale. Das macht so viel Spass hier zu surfen, wen die Seiten auch gleich kommen, ich glaub heut lass ich das Abendessen ausfallen und bleib ein paar Stunden!

 Aaaaaalso. Wie meine Eltern berichtet haben gefaellt es mir hier ganz gut und ich hab schon einige Abenteuer erlebt: Die Unruhe waehrend der Wahlen, Cape Coast, die Hauptstadt des Sklavenhandels in Westafrika. Das war richtig eschuetternd, ich konnte mir richtig vorstellen, wie noch vor hundert Jahren die Sklaven ueber die selben Pflastersteine getrieben wurden, auf denen ich nun stand, auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft, fern von Heimat und Familie. Dann natuerlich das Weihnachtsfest im Waisenhaus, dass nicht so toll war und Silvester am Kokrobite-Beach, das genial war. Wens interessiert wird all das in meinem Reisetagebuch lesen koennen, das kann ich hier nicht alles schreiben. In Zukunft werd ich aber wieder fast taeglich schreiben, versprochen. Vielleicht kann ich da einiges nachholen, die naechste oche bleib ich ja im Waisenhaus, da passert nicht so viel, das ist eher alltagsleben. Oft langweile ich mich leider, das ist das einzige was ich wirklich doof finde. Aber wenn ich grad nicht damit beschaeftigt bin helfe ich Theresa, der Koechin, damit ich all die Gerichte zubereiten kann wenn ich zurueckkomme, lern Trommeln udn Tanzen, denn das gehoert hier zum Alltag einfach dazu, wasche Geschirr, Waesche und Kinder, serviere den kleinen dass essen, versorge zahlreiche grosse und kleine Wunden und verbringe viiiiiiiel Zeit mit den Kindern. Ab morgen werd ich wieder in der Junior secondary school unterrchten, die Ferien sind vorbei, diesmal die 1. Klasse. Leider nehmen die das hier nicht so ernst mit der Schule. Um halb 10 haben sie meistens immer noch nicht angefangen... Danach gibt es viel Zeit und es hat ne Weile gedauert bis ich gelernt habe mich mit den Kindern zu beschaeftigen. So ganz ohne Spielsachen wird meistens Bloedsinn gemacht, lieder gesungen/beigebracht und viiiiiiiel gekuschelt. Nicht selten hat mein ein Paar Zwilinge auf dem Schoss, ein Kind im einen Arm und eins an der andern Hand haengen. Vielleicht lehnt sich dann noch eins gegen deinen Ruecken. Wie gesagt: Stuhl....

Aber ich kann mir nicht vorstellen wegzugehn, und sie hier alleinzulassen. Wenn ich nur eines mitnehmen koennte wuerde es ein so viel besseres Leben haben als hier, egal wie viel besser es ihnen hier schon geht als im Norden. Besseres Essen, passende Kleider, Unterwaesche, eine bessere Bildung und vor allem, endlich eine konstante Bezugsperson! Die staendig wechselnden Voluntaere sind zwar besser als nichts, aber dieser Zustand hat manche Kinder meiner Meinung nach schon an den Rand einer Autistischen Persoenlichkeit gebracht.

Trotzdem ist es erstaunlich, wie verschieden Kinder sich unter gleichen Bedingungen entwickeln koennen. Es gibt alle Moeglichen arten von Persoenlichkeiten, von Satansbraten ueber  beinahe apatisch bis suess, lieb und brav ist alles vertreten. Natuelich kann man nicht verhindern, dass man "lieblingskinder" hat (meins heisst Sofaya) und Kinder die man gar nicht mag (z.B. Botschi, der am liebsten mit dem Sand spielt in den er grade gepinkelt hat, oder mit seinem Pullermann oder einen absichtlich mit seiner Spucke beschmiert. Die meisten werde ich wohl nie vergessen!

Conny, vielen Dank fuer die lieben Weihnachtsgruesse! Das war wirklich eine Ueberraschung! Liebe Gruesse an die ganze Familie!

Anne, Frederic, Maxime, merci beuacoup pour ce message, quel surprise! J'espere vous revoir bientot!

Hey Chris! Ich muss zugeben, die Postkarte, lag auch lange bei mir rum bis ich rausgefunden, wo ich sie einwerfen kann. Briefkaesten giebts hier nicht grad an jeder ecke...                        Mensch bei diesem Meeting waere ich auch gern dabei gewesen! Ich freu mich immer so, wenn die alte runde aufeinandertrifft. Versprich mir, dass wir das auch mal machenn wenn ich wieder da bin! Wo hast du denn nun Silvester gefeiert? Lol, ja ich kenne Berts Katastrophen-Tagebuecher, hab sie in meiner Schillerzeit ALLE gelesen. Fuehle mich angesichts dieses vegleiches geehrt!

Hey Sarah! Ich freu mich auch wahnsinnig darauf euch wiederzusehn! Passt auf euch auf! In 2,5 Wochen bin ich wieder in Ulm!

Tja, es ist meine letzte Woche hier. Wie schnell die Zeit vergeht, unglaublich! Ich voller gemischter gefuehle. Einerseits freue ich mich waaahnsinnig auf zu Hause andererseits, fuehle ich mich hier auch fast zu Hause und kann mir nicht vorstellen, dass alles fuer so lange Zeit wieder zu verlassen. Dass auf einmal wieder halbwegs puenktliche busse fahren werden, dass es kalt sein wird, dass die leute auf der strasse mich nicht mehr grussn und sich nicht mehr mit mir unterhalten werden. All das kann ich mich gerade nicht vorstellen.

Naja wir werden sehn. Ich freu mich jedenfalls riesig auf euch!

Ich hoffe alle hatten ein wunderschoenes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch. Alles gute im neuen Jahr, moegen alle eure Wuensche in erfuellung gehn!

Liebe Gruesse aus Kasoa

Evelyne 

3 Kommentare 8.1.09 18:55, kommentieren

Erwischt!

Tja, ich dachte mir schon, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es mich erwischt, denn ich bin noch keinem Voluntaer begegnet, der nicht Malaria gehabt haette. Erst dachte ich ich haette zuviel Erdnusskekse gegessen, als ich abends nach Hause kam und mich uebergeben musste. aber als sich die Prozedur 2 Stunden spaeter wiederholte und irtgendwann tief in der nacht nochmal, spaetstens da war mir klar, dass ich nicht um 5 Uhr mit den andern abreisen kann. Morgens hatt ich dann auch noch Fieber und ich betete, dass es endlich 8 sein moege, damit die Notaufnahme aufmacht und ich ins Krankenhaus kann (tja eine rund-um-die-uhr-notaufnahme ist schon luxus, denn nachts ist hier kein arzt im krankenmhaus, haste also Zeit zu verrecken...) Dort begann dann wieder die ewige Warterei: der Arzt macht erst nen Rundgang durch die Stationen, bevor er neue Patienten aufnimmt. Hier begannen bereits meine Privilegien als Mitarbeiterin - der Krankenhausleiter Mr. Biela, den ich sehr gut kenne, schickte mich persoenlich auf die Station um dort den Arzt abzufangen. Ausserdem musste ich nicht in den grossen Krankensaal, sondern durfte gleich in ein Einzelzimmer liegen, mit eigener Toilette und Dusche. Schon das Nadel setzen in meine Hand fuer die Infusuion schien mir ungemein schmerzhafter als in D. Tupfer zum unterpolstern gibts hier nicht, sie wird lediglich mit Pflaster fixiert. Ansonsten erinnere ich mich nicht an besonders viel von diesem Tag - noch nie in meinem Leben war mein Koerper so geschwaecht. Es fuehlte sich an wie das erwachen aus der Narkose - den ganzen Tag lang. Manchmal erwachte ich und nahm wahr, dass jemand in mein Zimmer gekommen war, aber das sprechen viel mir so schwer als seien meine Lippen aus Blei. Ausserdem merkte ich manchmal, dass ich gerade auf Deutsch gerdet hatte, bzw. oft wusste ich nicht mal, ob ich dass jetzt wirklich gesagt hatte oder nicht, da ich nicht mehr zwischen Traum und Realitaet unterscheiden konnte. einmal wachte ich erst auf, als ich so dringend aufs Klo musste, dass es sofort passieren musste! Leider war meine Toilette abgeschlossen, also wurde ich hurtig auf einen Rollstuhl gesetzt, dem vorne ein Rad fehlte und zur Toilette gefahren. Dort wieder im Rollstuhl angekommen hatte ich wieder diesen furchtbaren Tinnitus und dann muss ich wohl wieder ohnmaechtig geworden sein. Als ich am naechsten morgen erwachte sah ich garde noch, wie eine Patientin aus der mittlerweile aufgeschlossenen Toilette geschlichen kam. Im Laufe desTages steckte oefter mal eine Frau ihren Kopf zur Tuer herein und wenn sie sah, dass ich wach war sagte sie "Good morning" und verschwand wieder. Die Frauen mussten den ganzen vergangenen Tag lang mein Delirium genutzt haben um meine Toilette zu benutzen... An diesem zweiten Tag kamen die Schwesternschuelerinnen noch mal im KH vorbei bevor sie nach Tamale abreisten, und waren sichtlich ueberrascht mich zu sehen. So gleich gingen sie daran meine Diagnose und Medikation zu ueberpruefen, damit auch ja alles richtig gemacht worden war. Dann kamen mich noch die kubanischen Aerzte besuchen, die Chef-Schwester aus der Notaufnahme, Mr Biela, Familie Baba, und Mavis die Ernaehrungswissenschaftlerin, eine Freundin aus dem KH, war fast den ganzen Tag mit ihrem Freund da und umsorgte mich wie eine Mutter. Sie kaufte mir Bananen und Wasser, und kochte extra fuer mich drei mal am Tag in ihrem Haus und brachte es mir. Baba war da eher etwas verplant, waere ich auf ihn angewiesen gewesen, waere ich wohl verhungert. er kam abends und meinte: "oh ich habe jemand geschickt, dir was zu essen zu bringen, aber scheinbar hat er dich nicht gefunden und mir nicht mal bescheid gesagt!" Ausserdem kamen mich auch mehrmals Leute besuchen und fragten mich wies mir ginge, die ich noch nie gesehn habe. Das war etwas komisch... Die Injektionen gg die Malaria waren aeusserst schmerzhaft, das Zeug brennt in der Huefte wie Feuer. Ausserdem konnten sich die Schwestern nicht ueber die Form der Verabreichung einig werden: die erste Schwester hatte es mit in die Infusion getan. Am naechsten Tag bemuehte sich Alfred mir zu erklaeren, dass das viel zu riskant sei, da es bei zu schneller IV-Gabe zu Herzstillstand fuehren koenne... er gab mir also diese beschissene injektion. Die naechste Schwester meinte dann laut buch muesse es zu gleichen Teilen auf jede Seite der Huefte verteilt werden.... chaos! Insgesamt war das Personal super lieb zu mir, bis auf diesen einen doofen Pfleger der meinte er muesse mir das Leben schwer machen. Ueber den hat sich auch schon Jaqueline beschwert als sie hier war udn anscheinend mag ihn auch sonst keiner. Als ich 3 mal gerufen hatte, damit mich jemand von der Infusion losmacht und niemand gekommen war, war ich mit dem Infusionsstaender (ich hatte den einzigen in der Station bekommen) zu den Helfern gewatschelt, woraufhin er fast nen Herzinfarkt kriegte: "sowas macht man nicht! dazu ist das nicht da! Geh sofort ins Bett zurueck!" Idiot. Schlimmer noch als ich am 3.Tag dann entlassen wurde. Es ging mir besser, aber zu allem ueberfluss hatten sich die Venen in meinem Arm durch die Nadel, die am 2. Tag dann auch nochmal verlegt worden war total entzuendet: Phlebitis. Der Arzt verordnete Kuehlung. Als er weg war meinte mein Lieblingspfleger, ob ich das Eis jetzt wolle. Ich meinte "Ja, natuerlich." - "wieso?" - "Weil es weh tut" - "Na und?! Schmerz muss man spuren dazu ist er da" SO ein vollidiot! Ich fuehle mich immer noch etwas schwach, kann nicht lange stehen etc. Mein Arm ist fast wieder ok, aber auch wenn ich manchmal Hunger hab ist mein appetit gleich null. Und bis gestern wurde mir immer noch schlecht, wenn ich gegessen hab, da machts auch nicht gerade mehr spass. Naja mal sehn wies weitergeht. Eigentlich wollte ich ja Mi fahren, aber jetzt hab cih erfahren dass das der 24. ist, also fahre ich nun doch heute, ueber nacht. Ich melde mich dann aus Swedru. An euch alle vielen Dank fuer die lieben Nachrichtne. Antje! Ich wusst ja gar nicht dass du auch hier bist! ^^ Freut mich aber! Marlies: Vielen vielen Dank fuer die Einladung! Ich freu mich schon sehr auf die Plaetzle, das ist etwas von vielem was ich an Weihnachten hier vermisse. Hey Chris! Na du scheinst dirs ja richtig gut gehn zu lassen... Aber keine Sorge, wenn ich wieder da bin mach ich dir wieder Stress ^^ Danke Mama und Papa fuer eure vielen Anrufe und eure Unterstuetzung die letzten Tage. Allen viele viele liebe Gruesse und FROHE WEIHNACHTEN, feiert fuer mich mit! Ich melde mich dann wieder aus Swedru Evelyne

9 Kommentare 22.12.08 12:42, kommentieren

Hals ueber Kopf

Hui, das ging jetzt schnell! Ich hatte darum gebeten Ort und Projekt wechseln zu koennen, da ja hier bald nix mehr ist, was mich reizt. nach Kumasi, wo ich hinwollte, geht nicht, weil da keine Gastfamilie momentan nen Platz hat. Also soll ich jetzt in die Naehe von Swedru, einem kleinen Ort auf halber Strecke zwischen KUmasi und Accra - am Donnerstag!!! Das alles so schnell geht hatte ich nicht erwartet. Da ergibt sich zum einen das Problem, dass ein Paket von Mama hierher unterwegs ist und zweitens hab ich gerade nocht Kleidungstuecke in Auftrag. Diese Probleme gilt es also in den naechsten Tagen so gut es geht zu loesen. Ausserdem gehen 2 von den drei Maedels hier auch"in die naehe von Swedru" (Jaqueline fliegt nach Hause). Ich denke also dass ich schon am Mi mit ihnen nach Accra fahren werde, dann muss ich nicht allein fahrn. Dort werde ich wahrscheinlich mit ihnen noch ein zwei Dinge besichtigen und erst am Mo ins Waisenhaus gehn, wo ich arbeiten soll. Wenn ichs richtig verstanden hab soll ich auch dort leben, also nicht in einer Gastfamilie. Schade, aber dann kann ich vielleicht selber kochen - we'll see!

Jetzt bin ich gerade aus Wa zurueck. Wir haben Hippos gesehn und im freien geschlafen und mussten in Wa in einer echten Absteige uebernachten - schaebig und duester -, dessen verdreckte kueche sich als wahre Goldgrube fuer fufu-geplagte auslaender erwies: Es gab spaghetti mit richtig leckerer Sosse und gekochtem ei - das sind so die kleinen schaetze des alltags hier, die man mitunter an ganz unvermuteten Orten vorfindet...

Ich hoffe ihr seid alle nicht zu sehr im weihnachtsstress, und wuerd mich freuen wenn ihr wieder etwas fleissiger schreibt. auch wenn mans kaum gleuben mag: mich interessiert brennend, was denn so zu Hause in OG und Ulm passiert. wWenns privat ist, koennt ihr mir ja auch mailen!

Liebe Gruesse

Evelyne

9 Kommentare 14.12.08 14:42, kommentieren

charmante Details

-beim duschen morgends kann ich durchs Fenster der Sonne beim aufgehn zusehn

-ueberall gibts frischgeroestete Erdnuesse am strassenrand zu kaufen.

-wie aus dem Bilderbuch: die Doerfer (auch Savelugu) bestehen groesstenteils aus den malerischen runden Lehmhuetten mit den Strohdaechern

-wie im Film: zu fast jeder Tageszeit hoert man von irgendwoher ein fernes Trommeln...

-jeder singt wann und wo immer er gerade Lust dazu hat - aus vollem Hals.

-man zischt hier um deine  Aufmerksamkeit zu erlangen. Das war ziemlich lustig als, ich mal meine Tasche hab stehen lassen und der ganze Supermarkt hinter uns "tzzzzt! Tzzzzzzt!" zu machen begonnen hat.

-wenn ich nach Hause kommen, rennen mir 20 Meter vorher schon die Nachbarskinder entgegen, eins nimmt meine Tasche, ein anderes meine Hand. Achja, und eins, was mir nur bis zur huefte reicht, umarmt mich immer, wenns mich sieht.

-die antwort auf alle begruessungen ist ein in die Tiefen jeder Stimme deszendierendes Nnaaaaaaaa!, in dass alle Anwesenden einstimmen - klingt sehr lustig.

- vor alten Menschen geht man bei der begruessung tief in die Knie.

- die bunten Kleider der Frauen - da kommt Farbe ins Leben!

- Autos sind immer in Europa ausgemustert und importiert - z.T. aus gutem Grund! (keine einzige schliessende Tuer mehr, grundsaetzlich nichtfunktionierende Anzeigen, Motoren mit schaetzungsweise 5 PS, dem Geraeusch nach vollkommen fehlende Bremsbelaege oder andere suspekte Geraeusche beim fahren. ausserdem muessen die meisten Taxis/Tro-Tros zum anfahren geschoben werden)

-ich lasse mir grade fuer 6,5 Euro das Stueck Kleider schneidern, so billig ist das bei uns ja nicht mal von der Stange!

 

 

zum Thema Essen:

scheint mir angemessen, dazu mal etwas mehr zu erzaehlen: Gegessen wird grundsaetzlich auf dem Boden - ich mit dem Gastvater im Wohnzimmer, die Mutter mit den Kindern draussen. Es ist eine grundlegende Hoeflichkeit, jeden einzuladen mitzuessen/-trinken, auch wenn, ich die Person grad zum ersten Mal getroffen habe und auch, wenn ich nur eine Banane oder eine Tuete Wasser zu mir nehme. Das wird im Gegensatz zu manch andern Benimmregeln auch von MIR erwartet, weil die Leute hier sich nicht vorstellen koennen, dass das irgendwo auf der Welt anders ist. Ich wurde auch schon mal von einer Frau die zu Besuch war und im Hof stand dumm angemacht, als ich dort meinen restlichen Tee wegschuettete, weil ich sie nicht eingeldaen hatte: was man nicht mehr will, wird immer jemand anderm gegeben!

Fruehstueck: "mcDonald-Weissbrot" mit viel zu suesser Marmelade, dazu Schwarztee mit Milch und viiiiel Zucker.

Mittag essen muss ich auswaerts, da beide eltern arbeiten. Das heisst dann: Fufu (Teig in Suppe), Fried Yam and Plantain (kann ich nicht mehr sehn), Yam mit Beanstew, Porridge (suess-scharfe Milch mit Teigstueckchen) oder allermeistens: Reis, wahlweise mit gekochtem Ei, Fleisch oder Fisch, wobei ich um letztere beiden einen grossen Bogen mache (irgendwo erreicht der Hygienemangel fuer mich dann auch hier seine Grenze). Reis gibt es wahlweise plain (ohne nix, selten), fried (wie beim chinesen oft gesehn) oder meistens yollof (rot und scharf). das letzte Fufu dass ich uebrigens gegessen hab war SO scharf, dass es schon beim ersten Bissen brannte, aber was blieb mir uebrig als weiterzuessen. ich hab halt rotz und wasser geheult, sehr zur belustigung der Frauen drumrum. Ich hab das gefuehl, noch mehr als man sich hier an die schaerfe gewoehnt, lernt man es einfach zu ertragen, frueher haette ich gesagt "das KANN ich nicht essen!". Seit kurzem hat man mir uebrigens beigebrachgt, wie man mit den Fingern richtig isst: man formt mit den 4 Fingern eine "schaufel" und formt mit dem Daumen in dieser Schale einen happen, dann fuehrt man die "Schale" zum Mund und schiebt den happen mit dem daumen rein. Zum Essen wird grundsaetzlich auch eine Schuessel mit wasser zum Handwaschen gereicht. Seit ich solche Kleinigkeiten und ein paar Brocken Dagbani gelernt hab, hab ich das gefuehl, sehen die Menschen mich nicht mehr als touristin und ich hab mehr Kontakt mit ihnen.

Abendessen: Wenn ich glueck hab nicht das selbe wie Mittags. Manchmal auch Tized oder Peta-Peta (ess ich beides gar nicht, weils einfach nur nach Fett schmeckt, zum Glueck hab ich einen Goldschatz-Gastvater, der mir ohne, dass ich danach fragen muss, was zu essen mitbringt)

Wie euch vielleicht auffallt, enthaelt kaum eine Mahlzeit Obst oder Gemuese und ausserdem ist die Auswahl insgesamt sehr begrenzt, so als ob man in Offenburg immer nur Schnitzel oder Geschnetzeltes mit Spaetzle oder Kartoffeln kriegen wuerde. Das ist die Schwierigkeit fuer mich. Da faellt einem erst Mal auf, was fie Globalisierung uns fuer eine Vielfalt gebracht hat! Ausserdem schmeckt, das Wasser nach Plastik, da das hier aus zugeschweissten Plasticktueten (500ml) gesaugt wird. Flaschen sind viel teurer.

Was ich mag ist der gefrorene Erdbeerjoghurt, den man als eis kaufen kann, Buffrod (suesse frittierte Teigkugeln, wie Schtriesele an Fasend!), erdnuesse, die erdnussbutter, frische Mango, Papaya Orangen und gruene Bananen, die ich in Tamale kaufe (schmeckt wirklich anders als in D!), zwischendurch ein gekochtes Ei mit Chili und die karamellisierten Erdnussklumpen.

Heute war ich bei einer Polio-Impfungsaktion dabei, davon ein ander mal mehr. Morgen fahren wir nach Wa, das tief im Nordwesten liegt, der urspruenglichsten Region Ghanas, ausserdem machen wir ne Fahrt durch die Suempfe und besuchen die Nilpferde. Wenn diesmal alles gut geht bin ich also Montag zurueck.

Knutsch an alle!

Evelyne

4 Kommentare 11.12.08 17:31, kommentieren